Blankstahlnorm: DIN EN ISO 683-7:2025-02

Neue Norm, neue Bezeichnungen – aber nicht automatisch neue Werkstoffe

Mit der Veröffentlichung der DIN EN ISO 683-7:2025-02 wurde die bisherige DIN EN 10277:2018-09 als maßgebliche Norm für Blankstahlerzeugnisse für mechanische Zwecke abgelöst. Die Änderung betrifft zahlreiche Unternehmen entlang der Lieferkette, da künftig neue Werkstoffbezeichnungen auf Zeichnungen, Bestellungen und Prüfzeugnissen erscheinen werden.

Wichtig dabei: Die Normenumstellung bedeutet nicht zwangsläufig eine Änderung der Werkstoffeigenschaften. In vielen Fällen handelt es sich vielmehr um eine Harmonisierung der europäischen und internationalen Normung sowie um eine Anpassung der Bezeichnungssystematik.

Welche Werkstoffbezeichnungen ändern sich?

Besonders relevant für Konstruktion, Arbeitsvorbereitung und Einkauf sind die folgenden Umstellungen:

  • S235JRC nach DIN EN 10277 wird zu S235B nach DIN EN ISO 683-7.
  • S235JRC+C nach DIN EN 10277 wird zu S235B+C nach DIN EN ISO 683-7.
  • S355J2C nach DIN EN 10277 wird zu S355D nach DIN EN ISO 683-7.
  • S355J2C+C nach DIN EN 10277 wird zu S355D+C nach DIN EN ISO 683-7.

Die Werkstoffnummern bleiben dabei unverändert: S235B/S235JRC entspricht 1.0122, S355D/S355J2C entspricht 1.0579. Die bekannten Lieferzustandskennzeichen wie beispielsweise +C (kaltgezogen) bleiben dabei unverändert bestehen.

Was steckt hinter der Änderung?

Nach Angaben von DIN Media wurde die bisherige DIN EN 10277 im Wesentlichen durch die internationale Norm ISO 683-7 ersetzt. Die technische Basis der Werkstoffe bleibt dabei weitgehend unverändert. Besonders interessant ist die Bewertung eines Rohmaterialherstellers zur Umstellung von S355J2C auf S355D:

„Die chemischen Angaben vom S355J2 gemäß EN 10025-2 und S355D gemäß ISO 630-2 sind komplett identisch.“

Weiter verweist der Hersteller darauf, dass die neue DIN EN ISO 683-7 im Anhang E beide Bezeichnungen gegenüberstellt und deren Gleichwertigkeit dokumentiert. Die Umstellung ist daher in erster Linie eine Anpassung der normativen Zuordnung und Bezeichnung, nicht zwingend eine Änderung der Werkstoffeigenschaften.

Auswirkungen auf die Technik

Für Konstruktion, Qualitätswesen und Arbeitsvorbereitung entsteht zunächst ein erhöhter Abstimmungsbedarf. In vielen Zeichnungen sind heute noch Werkstoffangaben enthalten, die auf die bisherige Normenwelt abgestimmt sind. Künftig können Lieferanten jedoch Materialzeugnisse mit den neuen Bezeichnungen ausstellen. Daher sollten Unternehmen prüfen:

  • Sind die verwendeten Werkstoffangaben noch normativ aktuell?
  • Verweisen Zeichnungen auf die korrekte Norm und die richtige Werkstoffbezeichnung?
  • Sind interne Spezifikationen, Prüfpläne und Stammdaten angepasst?
  • Werden neue Materialzeugnisse eindeutig den bisherigen Werkstoffanforderungen zugeordnet?

Insbesondere bei Neufreigaben und Zeichnungsänderungen empfiehlt sich eine frühzeitige Bereinigung der Normverweise, um spätere Rückfragen in der Lieferkette zu vermeiden.

Auswirkungen auf den Einkauf

Für den Einkauf liegt die größte Herausforderung in der Bewertung von Lieferantenangeboten und Materialzeugnissen. Künftig können Angebote mit den neuen Werkstoffbezeichnungen eingehen, obwohl technisch identische Werkstoffe geliefert werden. Eine reine Abweichung der Bezeichnung sollte deshalb nicht automatisch als technische Abweichung interpretiert werden.

Wesentliche Prüfpunkte sind:

  • Entsprechen die chemischen und mechanischen Eigenschaften den Anforderungen?
  • Ist die Zuordnung zwischen alter und neuer Werkstoffbezeichnung dokumentiert?
  • Sind ERP-Systeme, Materialstammdaten und Bestelltexte aktualisiert?
  • Wurden Lieferanten über die neue Normensituation informiert?

Eine enge Abstimmung zwischen Einkauf, Qualitätssicherung und Technik hilft dabei, unnötige Freigabeprozesse oder Rückfragen zu vermeiden.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • DIN EN 10277 wurde durch DIN EN ISO 683-7:2025-02 ersetzt.
  • Die Werkstoffbezeichnungen S235JRC → S235B und S355J2C → S355D ändern sich.
  • Die Lieferzustandskennzeichen (z. B. +C) bleiben bestehen.
  • Die bekannten Werkstoffeigenschaften bleiben nach aktuellem Stand unverändert.
  • Einkauf und Technik sollten Stammdaten, Zeichnungen, Bestellungen und Prüfzeugnisse auf die neue Normensystematik abstimmen.
  • Die größte Herausforderung liegt nicht in geänderten Werkstoffen, sondern in der korrekten normativen Zuordnung innerhalb der Lieferkette.

Quellen:

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